Ein Rückblick auf mehr als 60 Jahre Tischtennis im TSV

Gründung und Anfangsjahre

Die Gründung der TT-Abteilung im Jahre 1945 ging auf die Initiative einiger Interessenten zurück, die diesen Sport zunächst privat auf dem Hofe von Joachim Engelke, später im Jugendheim in Klein Giesen betrieben hatten. Zu ihnen gehörten Dr. Franz Löffler und Frau, Joachim Engelke, Wilhelm Willke sowie der damals in Klein Giesen tätige Vikar Feih.

Am 2. Dezember 1945 gab der damalige 2. Vorsitzende des TSV Giesen, H. Kappe, in der Vereinsversammlung die Gründung der Abteilung bekannt. Den Mitgliedern stand im Klubzimmer der Gastwirtschaft Engelke in Groß Giesen zunächst nur ein Tisch zur Verfügung. Bälle, Schläger und Netze mussten die Spieler selbst mitbringen. Erster Abteilungsleiter wurde Joachim Engelke, dem im September 1946 Wilhelm Willke nachfolgte.

Die neu gegründete Abteilung fand in der Folgezeit regen Zuspruch, obwohl sich die Wettkämpfe zunächst nur auf Freundschaftsspiele beschränkten. Einen geregelten Punktspielbetrieb gab es damals noch nicht. Es fehlte an der überörtlichen Organisation, hinzu kamen Transportschwierigkeiten. Außerdem mangelte es an dem nötigen Gerät, vor allem an Bällen, die damals noch eine Kostbarkeit waren. Vordrucke für Spielberichte fehlten ebenfalls. Man musste sie selbst anfertigen. Bei allen Schwierigkeiten wurden diese Begegnungen aber zu Erlebnissen, an die sich die Beteiligten, gerade wegen der damit verbundenen Umstände, noch lebhaft erinnern.

Die Gegner der Giesener waren u.a. Vereine aus Sarstedt, Hasede, Himmelsthür, Sorsum und Algermissen sowie der Hildesheimer Tennisverein. Zu den bedeutendsten deutschen TT-Vereinen der ersten Nachkriegsjahre gehörte der TTC Harsum. Am 18.01.1948 "wagte" es die 1. Herrenmannschaft des TSV Giesen, gegen die 2. Vertretung Harsums anzutreten. Jedes Spiel lief über drei Gewinnsätze. Mit 0:9 Punkten und 0:27 Sätzen war die Niederlage durchaus "standesgemäß". Ein Kuriosum am Rande: In diesem Spiel wurden sogar die Bälle gezählt: 567:294 für Harsum! Spitzenspieler der 1. Mannschaft war der früh verunglückte Karlheinz ("Spitz") Gömann, der wesentlichen Anteil an der Arbeit der Abteilung hatte.

Erste Punktspiele - die 50er Jahre

Erstmals würde für die Spielzeit 1950/51 eine Kreisklasse gebildet, der Mannschaften aus Gleidingen, Sarstedt, Ruthe, Giften, Pattensen, Ahrbergen und Giesen angehörten. Diese Vereine, die teilweise kombiniert mit ihren Damenmannschaften gegeneinander antraten, trugen ihre Spiele nach dem neu eingeführten Paarkreuzsystem aus, das aber bis zur letzten Paarung durchgespielt wurde. Die Giesener schnitten bei diesen Spielen gut ab: einer Niederlage gegen Ahrbergen I standen Siege über alle anderen Mannschaften gegenüber. Zum Stamm der Herrenmannschaft gehörten u.a.: Heinrich Richter, Günter Knabe, Hermann Rörig, Alfons Richter, Wilhelm Willke, Siegfried Franke, Bernhard Ludwig und Wilhelm Schwerdtfeger.

Damit war unter die Arbeit der ersten Jahre gewissermaßen ein Schlussstrich gezogen. Punktspiele mussten ausgetragen werden, Meisterschaften wurden ausgeschrieben, zu Turnieren wurde eingeladen. Auch die Spieler des TSV Giesen nahmen in den folgenden Jahren mit mehr oder weniger großem Erfolg an diesen Veranstaltungen teil. Jahr für Jahr wurden zu den Punktspielen 1 - 2 Mannschaften gemeldet. Die Fahrten zu den Punktspielen per Fahrrad - dem damaligen Standardtransportmittel der Sportler - wurde besonders in den Wintermonaten, wenn die Strassen stark vereist waren, oft zu Rutschpartien.

Neben den Herrenmannschaften nahmen vornehmlich zwischen 1950 und 1960 auch Jugendmannschaften des TSV Giesen am TT-Punktspielbetrieb teil.

Der TSV Giesen hatte bald im TT-Kreisverband einen guten Ruf, sodass schon 1954 das Kreisjugendtreffen in Giesen durchgeführt wurde. In der Spielzeit 1955/56 stellten die Giesener in der Besetzung Helmut Stolze, Theo Chonacki, Johannes Beelte und Heinz Chraplak sogar den Kreismeister der Jugend.

Als 1954 der TT-Verein Hasede aufgelöst wurde, wechselten mehrere Spieler zum TSV. In sportlicher Hinsicht war dieser Zuwachs für den TSV Giesen ein Gewinn, zumal die Mannschaft in die Bezirksklasse eingereiht worden war und den Klassenerhalt auch sicherstellen wollte. Die Jahre zwischen 1953 und 1956 stellen einen gewissen Höhepunkt in der Geschichte der Abteilung dar. Ihre Arbeit hat sich zahlenmäßig - etwa 25 Spieler gehörten ihr an - und sportlich - 3 Mannschaften waren am Punktspielbetrieb beteiligt, 2 Herren- und eine Jugendmannschaft - recht positiv ausgewirkt.

Es folgten Jahre der Stagnation: bedingt durch eine zu geringe Zahl an Nachwuchsspielern wurde der Spielbetrieb immer stärker reduziert. Hinzu kam, daß einige Herrenspieler zumindest vorübergehend aussetzten. Diese und andere Gründe führten 1959/60 zum Tiefpunkt: die Abteilung bestand, aber keine Mannschaft wurde zum Spielbetrieb gemeldet. Der Wiederbeginn setzte dort ein, wo man aufgehört hatte: mit den selben Verantwortlichen und Spielern. Das Gesicht der Abteilung veränderte sich bis in die 2. Hälfte der 60er Jahre kaum. Nur selten tauchten neue Spieler auf, Jugend fehlte fast ganz.

Die erste Herrenmannschaft des TSV (ca. 1957) mit Hubert Keuchel, Herbert Rössig, Siegfried Franke und Alfons Richter (oben von links) sowie mit August Bode und Helmut Stolze (unten von links) bei einem Turnier in Bad Salzdetfurth. Rechts ist das Team des TTC Wespe Salzdetfurth zu sehen, in der Bildmitte eine unbekannte Mannschaft.

Aufschwung in den 60er und 70er Jahren

So kam es 1967 zu einem entscheidenden Vorstoß in dieser Richtung: ein TT-Werbeturnier wurde mit Unterstützung der Schule in Groß Giesen für Schüler und Jugendliche veranstaltet, das regen Zuspruch fand. Ein Jahr später, in der Spielzeit 1968/69, konnte der TSV fünf Jugendmannschaften für den Punktspielbetrieb stellen, die sich z.T. ausgezeichnet schlugen. Viele der jungen Spieler nahmen auch an Pokalturnieren und Ranglistenkämpfen teil, bei denen beachtliche Erfolge erzielt wurden. Vorläufige Krönung fand die Jugendarbeit der Abteilung 1970 mit der Erringung der Kreismeisterschaft der Schülermannschaft.

1971 wurde mit Unterstützung der Kaliwerke Siegfried Giesen zum ersten Mal das "Kali und Salz Turnier" für Jugend- und Herrenspieler in Giesen durchgeführt, aus dem sich die aktuellen TT-Turniere des TSV Giesen entwickelt haben. Pfingstsamstags starten die Schüler und Jugendlichen mit dem "Alfons-Richter-Gedächtnisturnier" (seit 1977 benannt nach dem Förderer der Jugendarbeit unserer Abteilung). Pfingstsonntags schlagen die Damen- und Herren beim "Herrenhäuser-Cup" (seit 2000 nach unserem neuen Sponsor benannt) auf.

Mit insgesamt 14 Mannschaften ( 4 Herren, 1 Damen, 5 Jugend und 4 Mädchen ) nahm der Verein 1972 am Punktspielbetrieb teil. Diese Leistung konnte nur erbracht werden, dank des Einsatzes vieler ehrenamtlicher Helfer, besonders im Jugendbereich. Ein sportlicher Höhepunkt der Abteilung war wohl 1975/76 als die 1. Damen- und die 1. Herrenmannschaft in der 1. Bezirksliga von Hildesheim spielten. Die Herrenmannschaft mit Helmut Stolze, Wolfgang Bunnenberg und Werner Borgaes holte gegen den SV Lechstedt sogar den Bezirkspokal nach Giesen. Die Damenmannschaft in der Aufstellung: Martina Peters, Eva-Maria Feiertag und Angelika Brandes scheiterten in dieser Pokalrunde erst an der Oberligamannschaft von Post SV Hildesheim.

Die letzten Jahrzehnte

In den nächsten Jahren gab es keine herausragenden Erfolge mehr vorzuweisen, abgesehen von Staffelmeisterschaften und guten Platzierungen bei Pokalturnieren. Hervorzuheben ist die A-Schülermannschaft die mit Stefan Richardt, Alexander Kiene, Thomas Braune und Jens Zugehör 1988 Kreismeister wurde und bei den Bezirksmeisterschaften Platz 3 belegte.

Erfreulicherweise stellen sich immer wieder Mitglieder der Abteilung als Übungsleiter zur Verfügung, um so dem Nachwuchs die Möglichkeit zu geben den Tischtennissport auszuüben. Ohne diese Helfer ist es nicht möglich eine intensive Jugendarbeit durchzuführen, die die Grundlage für den Bestand einer jeden Abteilung ist.

Dieser kurze Abriss, so unvollständig er auch sein mag, soll dennoch nicht abgeschlossen werden, ohne zum Schluss die Namen derer zu nennen, die an der Spitze der Abteilung in den vergangenen 60 Jahren einen Großteil der Arbeit geleistet haben, und sich in guten und schlechten Zeiten für sie eingesetzt haben.

Erster Abteilungsleiter bis 1946 war Joachim Engelke, ihm folgten von 1946 - 1950 Wilhelm Willke, 1950 - 1951 Heinrich Richter, 1951 - 1954 Alfons Richter, 1954 - 1976 Karl Rörig, 1976 - 1991 Helmut Stolze, 1991 - 1996 Wolfgang Trox, 1996 - 1998 Christian Stolze, 1999 Markus Knieke (kommissarisch), 2000 - 2004 Wolfgang Trox 2004 - 2005 Markus Knieke (kommissarisch), 2005 - 2009 Mario Gittner und seit dem 04. Februar 2009 (als erste Frau) Anna Siekiera.